Undercut: die echte Herkunft und wem er steht
15.11.2024
Der Undercut ist Kontrast bis an die Grenze. Seiten und Nacken werden kurz rasiert, am Oberkopf bleibt auffällige Länge. Zwischen diesen Zonen gibt es keinen sanften Übergang. Genau diese scharfe Grenze unterscheidet den Undercut vom Fasson oder von Crop-Schnitten. Bei denen wird der Übergang bewusst weich gehalten. Im Barbershop The XY in Torrevieja wird dieser Schnitt oft nachgefragt. Nicht weil er gerade besonders im Trend liegt. Er gehört seit über einem Jahrhundert zum festen Repertoire der Barbiere, wenn auch mit Unterbrechungen. Wir klären, wo der Undercut wirklich herkommt. Wir schauen uns an, welche Varianten es gibt. Und wir finden heraus, wem der Schnitt steht — und wem er eher Probleme bereitet.
Wo der Undercut wirklich herkommt
Die verbreitete Version, wonach britische Soldaten in den 1920er-Jahren den Undercut erfunden hätten, stimmt so nicht ganz. Der Schnitt entstand tatsächlich in Großbritannien Anfang des 20. Jahrhunderts. Getragen wurde er vor allem von jungen Arbeitern aus ärmeren Vierteln. Zum Beispiel den Scuttlers aus Manchester oder den Peaky Blinders aus Birmingham. Der Grund war nicht die Mode, sondern das Geld. Einen sauberen Übergang zwischen kurzen Seiten und langem Oberteil konnte nur ein erfahrener Barbier hinbekommen. Dessen Dienste waren teuer. Die einfachere Variante, bei der die Seiten einfach mit der Maschine ohne sanften Übergang geschnitten wurden, erfüllte denselben Zweck und war billiger.
Ein interessantes Detail: In deutschsprachigen Ländern nannte man dieselbe Silhouette früher Inselhaarschnitt. Das lange Haar oben erinnerte tatsächlich an eine Insel, umgeben von glatt geschorenem „Wasser“ an den Seiten. Der Schnitt geriet immer wieder aus der Mode und kehrte zurück. Ein kurzes Comeback gab es Ende der 1980er. Richtig massentauglich wurde der Undercut erst in den 2010er-Jahren, nicht zuletzt dank Serien über genau jene Epoche der Gangster-Frisuren.
Welche Varianten gibt es
- Retro — kurze Schläfen und langes Haar oben, streng nach hinten gekämmt, am nächsten am historischen Original;
- Militär — komplett rasierte Schläfen und Nacken bei kurzer Länge oben, die kontrastreichste aller Varianten;
- Pompadour — voluminöser Kamm nach oben und hinten, braucht starken Halt, damit das Volumen den ganzen Tag über hält;
- mit Scheitel — die Länge oben zur Seite gestylt mit klar gezogenem Scheitel, ein formellerer und zurückhaltenderer Look;
- Punk — das ist eine lange Strähne am Oberkopf, die vertikal aufgestellt oder beliebig gestylt wird. Das ist von allen die styling-aufwendigste Variante.
Wem der Schnitt steht — und wem nicht
Der Undercut steht dichtem Haar am besten. Der Kontrast zwischen kurzen Seiten und langem Oberteil fällt nur dann auf, wenn oben genug Volumen da ist, um den Raum zu füllen. Bei feinem, dünnem Haar kehrt sich derselbe Kontrast um. Die kurzen Seiten betonen, wie wenig Haar oben tatsächlich übrig ist, und schaffen keinen eindrucksvollen Unterschied.
Wie viel Styling man morgens machen will, beeinflusst die Wahl der Variante fast genauso stark wie die Gesichtsform. Retro und die Scheitel-Variante halten mit einem einfachen Gel-Styling den ganzen Tag. Punk und ein voluminöser Pompadour brauchen starken Halt und täglich einige Minuten Handarbeit. Ohne das fällt die lange Partie einfach zusammen und verliert die Form.
Eine Eigenheit des Undercuts, die Kunden selten vorab erklärt wird, ist die unterschiedliche optische Nachwachsgeschwindigkeit in den einzelnen Zonen. Rasierte Schläfen wachsen sichtbar schneller nach, als man denkt. Auf nackter Haut fällt schon ein Millimeter Stoppeln auf. Das Nachwachsen am langen Oberteil bleibt wochenlang praktisch unbemerkt. Deshalb muss der Undercut an den Seiten etwa alle zwei bis drei Wochen nachgeschnitten werden. Der obere Teil kann dabei noch unberührt wirken.
Im Sommer an der Costa Blanca sind frisch rasierte Schläfen und Nacken in der ersten Zeit besonders sonnenempfindlich. Die freiliegende Haut verbrennt schneller als die vom Haar bedeckte. In den ersten Tagen nach dem Schnitt sollte man direkte Sonne meiden oder eine Kopfbedeckung tragen.
Auch die Kombination des Undercuts mit einem Bart sollte man vorab durchdenken. Der scharfe Kontrast des Schnitts wirkt gut mit einem glattrasierten Gesicht oder kurzem Bartschatten. So springt der Blick nicht zwischen zwei unterschiedlichen Kontrastzonen hin und her. Ein dichter Bart neben einem ebenso scharfen Übergang an den Schläfen macht den Look überladen. In solchen Fällen empfehlen Barbiere meist, entweder den Übergang an den Schläfen weicher zu gestalten oder den Bart zu kürzen und einfacher zu halten.
Was eine Beratung beim Barbier vor einem Undercut bringt:
- eine ehrliche Einschätzung der Haardichte oben und ob der Kontrast mit den kurzen Seiten wirkungsvoll aussehen wird;
- Hilfe bei der Wahl der Styling-Variante passend zum eigenen Morgenablauf, nicht nur zu einem Foto;
- einen eigenen Nachschneide-Rhythmus für die Schläfen, getrennt von dem für die obere Länge;
- Hinweise zum Schutz der frisch rasierten Haut vor der Sommersonne.
Der Undercut bleibt einer der wenigen Schnitte, bei denen der scharfe Kontrast gleichzeitig der größte Vorteil und das größte Risiko ist. Ohne ausreichende Haardichte oben funktioniert der Effekt einfach nicht. Wer nicht sicher ist, ob der Undercut beim eigenen Haar so aussehen wird wie auf den Fotos, bespricht das am besten bei einer Beratung im Barbershop The XY in Torrevieja. Der Barbershop ist täglich von 10:00 bis 21:00 Uhr geöffnet, ohne Ruhetag.